Frau Null (Frollein Miez) – Genügsam

 

•✿•ڿڰۣ✿•

 
Ich mache mir Dich zu eigen, verschlinge Dich mit Haut und Haar, lasse meine rotgefärbten Lippen tief in Dein weißes Fleisch fahren. Du schreist, windest Dich, nicht nur vor körperlichem Schmerz, sondern bäumst Dich mir in wilder Lust entgegen. Lachend greife ich zu, stopfe Dich in mein gefräßiges Maul, ohne innezuhalten fresse ich Dich auf, alle Deine klugen, absurden, unwirschen Gedanken. Du willst es doch auch…
„Das ist doch alles Schrott!“, wütend warf sie den Bleistift von sich, schob den Stuhl zurück, stand auf und ging zum Bücherregal.
Buchrücken drängten sich in manngifaltiger Weise zusammen, ungeordnet. Sie fuhr mit dem Fingern die Rücken entlang, fühlte die Kanten, die zerknitterte Brüchigkeit.
Tausend Bücher, tausend Geschichten, Nebenstränge- und schauplätze; der Mensch, das kreative Tier.
„Ich kann nicht. Mein Herz ist gar nicht wirklich traurig. Wie fühle ich mich denn heute?
Keine verzweifelte Trauer, die ihre Klauen in mein Herz schlägt, sondern etwas Eisigeres, Stilleres.
Eine dunkle Todesmüdigkeit. Erschöpft bin ich auch nicht.
Resigniert. Ja, wohl eher eine Resignation. Nicht schlimm.
Aber schon ein kleiner tropfender Tod, der sich aus meinem Herzen presst.“
Sie liebte ihn nicht mehr abgöttisch, ja verzweifelt vergötternd.
Sie versuchte sich zu konzentrieren.
Ein kleines Tier nagte an ihrem Herzen: Die Zukunft. Fröhlich wie ein Meisenjunges pickte sie an dem schwarz puckernden Ding.
Ein Krampf durchlief ihren Körper.
Die Zukunft hüpfte weiter fröhlich herum und spulte einen grässlichen Film ab, der sie innerlich wurmgleich winden ließ.
Das schwarze Dings, die dunkle Facette, zog seine Beine näher heran und legte den Kopf auf die Knie.
Dumpf überließ sie sich ihrer Facette, jetzt quoll die Traurigkeit hoch, eine tintige Flüssigkeit stieg von Füßen über in den Magen bis hin zur Kehle.
Die Augen sammelten die schwarzen Tränen, die Haare legten sich kappengleich und glänzend an den schmalen Kopf.
Eine große Müdigkeit sandte die Facette in ihren Körper.
Schlafen erschien ihr geeignet. Für immer?
ach nein, ein halbes Leben erschien ihr geeignet.
Um dann wieder gestärkt aufzuwachen. Anders, fester, ohne Herzensschmerz, wobei sie eigentlich solche einen verzweifelten Herzensschmerz nicht hatte.
Sie entließ die Liebe und wollte sie für sich erst wirklich erlernen.
Niemals.
„Wie kann ich genügen? Wie kann ich die Zukunft fernhalten. Die Bilder, die ich nicht mehr aus dem Kopf kriege?“

 
Stolze Frauen, schöne Frauen.

 
Und sie? Ein Dings. Ein kleines schwarzes Dings. Die Facette nahm übernahm, zog sich ihren Körper wie ein neues Kleid an, er passte wie angegossen, schmiegte sich pelzchengleich an das schwarze Dings.
Verlor sie sich in dieser Facette?
Wie oft musste sie kämpfen, damit sie passend wurde.
Passend wofür?
Für wen?

@Zerosista

 

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•✿•ڿڰۣ✿•

 

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Eingeordnet unter Frau Null (Frollein Miez), Prosa

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