Archiv der Kategorie: Leonie Lucas

Leuchtfeuer (3)

 
Liebesbriefe (3)

 

… eingereicht von Leonie Lucas, 11. Juni 2010

 
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30.06.196…….

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„Endlich, Liebster, endlich! Theresa kam mit einem Brief von dir. Er hat eine bunte Marke mit fremden Zeichen, Theresa sagte, sie sei aus Asien. Liebster, so bist du am anderen Ende der Welt. Mit Männern vielen Männern, wird ich dich wieder erkennen wenn du endlich wieder bei mir bist? du schreibst, deine Liebe ist unverändert, aber du bräuchtest die Zeit auf See, weil du dich dort fühlst wie ein echter Mann. Ach Liebster, du bist ein echter Mann. Was hat sie dir angetan, die reiche Tochter, die die deine Frau werden sollte und es nicht wert war. Sie hat sich längst getröstet mit einem anderen. Sicher wird ihr Vater nicht mehr lange warten müssen auf einen Enkel. Und ich… ich warte auf dich, denn du bist für mich der Einzige, der schönste, der Mann der zu mir gehört. Warum nur glaubst du, du seiest kein richtiger Mann? Weil du nicht schlägst sondern streichelst, nicht schreist sondern dichtest. Mein Liebster. Du bist ein Mann- mein Mann. Wenn nicht vor Gott so doch in meinem Herzen. Sehnsuchtsvoll, L…..

07.07.196.. ….

Bist wie Leuchtfeuer mir wild strahlend auch im Dunkel. Auch fern wahrnehmbar und stets und ständig da
Gibst Schatten mir, wenn mich das Leben blendet, ich nicht mehr seh wohin mein Weg mich führt.
Willst Halt mir geben ohne mich zu halten,
möchst, dass ich mit dir lacht, doch NICHT aus Pflicht.
Beweist mir gern, dass niemals je von mir du mehr verlangst.
als ich dir geben kann und geben will.
Was du mir gibst, das macht Dir NIEMALS Mühe,
es gibt Dir Glück, allein wenn es mich freut…..

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Nie mein Liebster, schenkte mir jemand etwas schöneres, als dieses Gedicht aus deinem letzten Brief. Seit ich es bekam, ist es mein Mantra, das ich aufsage wenn ich das Leuchtfeuer entzünde. Nur dass ich es einwenig ändere, denn all das was ich für dich bin, bist du für mich. Wirst es ewig sein. Wir gehören zusammen und wir werden es schaffen, gegen alle Widrigkeiten, dass wird mir klarer je länger ich dich missen muss. Auch der Großvater glaubt an uns, doch es geht ihm schlecht. Schon seit Wochen ist es meine Aufgabe, wenn ich aus der Stadt heimkomme, das Leuchtfeuer zu entfachen. Er schafft die 122 Stufen einfach nicht mehr. Ich tue es gern, für ihn und für dich für uns. So kann ich jeden Tag 244-mal deinen Namen sagen ohne dass es jemand hört. so wie ich für fremde Matrosen die Feuer entfache damit sie irgendwann heimkehren können zu ihren Liebsten so schützt in der Ferne eine anderer Leuchtturm sicher dich. Und eines Tages, ja hoffentlich in nicht zu weiter Ferne, ist es mein Leuchtfeuer, das dich zurück dahin bringt wo du gehörst: zu mir. Doch bis dahin muss ich hoffen dass meine Briefe dich erreichen, die Theresa immer weiterleitet. Sie kommt gleich und holt diesen, drum schließ ich ihn mit 1000 Küssen, L…..

08.07.196……

Liebster, ich sterbe! Was soll ich tun? Nun bleibt mir nur das Warten, das Hoffen und das Entzünden des Leuchtfeuers, nun kann ich nichts als hoffen du trägst unseren kleinen Turm stets bei dir. Den Turm- auch wenn es mal ein Läufer war- der gedacht dafür dich vor anderen Stürmen zu schützen, dich auch jetzt schützt, dich stark macht, dir immer wieder sagt: DU- SO wie du bist, bist ein Mann. Bist DER Mann den ich liebe, begehre, mit dem ich alt und runzlig werden will. Hier oder da wo Gott uns haben will. Ach Liebster, ich bin so in Angst und Verzweiflung, denn Theresa sagte mir gestern sie ginge nun fort. Für immer fort und ihr Zukünftiger verböte ihr weiter meine Briefe an dich weiter zuleiten und deine an mich. Wie soll ich leben ohne ein Zeichen von dir, wie soll ich leben ohne dir meine Lieben schicken zu dürfen? Wie mein Herz, wie? Er sagt „so etwas „könne und wolle er nicht unterstützen, es wäre wider die Moral? Unsere Liebe ein etwas, ein Ding? Warum ist Liebe unmoralisch wem schaden wir wa….“….

Hier rissen nicht nur die Worte ab, sondern auch eine Fetzen Papier war entfernt worden. Daniel steckte sich den Schachtleuchtturm in die Hosentasche. Er hatte ihn die ganze Zeit gehalten und das Holz hatte sich warm und Hoffnungs gebend angefühlt. Daniel fühlte in den Taschen der Jacke, es musste doch noch irgendetwas geben dass zeigte was noch geschehen war. Die Jacke, die Briefe und der Turm bewiesen, Der Liebste war zurückgekehrt. Aber wann? Hatte sie gewartet? Hatte die Zeit auf See ihn zu sehr verändert? Hatte Theresa doch noch Briefe weitergeleitet oder war alles ganz anders gekommen?….

Ohne Vorwarnung traf ihn, das nun elektronisch gesteuerte Leuchtfeuers von –er war sicher dass, er es war L’s Turm. Er blinzelte und lachte dann, denn er hatte etwas gefunden: fein säuberlich gefaltet. Versteckt in der linken Innentasche hatte ein Foto gesteckt. Es zeigte einen glücklich aussehnend alten Mann, viele andere Menschen, offensichtlich damalige Bewohner des Dorfes. Und in der Mitte zwei junge Männer die sich inniglich küssten. Der eine trug eine Seemannsjacke und beide hatte die Hand um etwas kleines Längliches gelegt. Daniel wusste was es war, und fasste immer noch lachend kurz auf seine Hosentasche. Auf der Rückseite des Bildes, stand, in der ihm so bekannten Handschrift. “Endlich mit dir vereint. Auf ewig Dein! Lukas“…..

Warum sollte was damals ging, nicht auch heute klappen? Daniel steckte das Bild zu dem Turm, griff nach seinem Handy und wählte Johannes’ Nummer… ….

©Leonie Lucas

 

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von | Januar 13, 2011 · 2:49 am

Leuchtfeuer (2)

 
Liebesbriefe (2)

 

… eingereicht von Leonie Lucas, 11 Juni 2010

 
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12.04 196… ….

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„Mein Liebster, du nennst mich „dein Licht“ und das möchte ich dir auch gern sein, doch gelingt mir dies auch wirklich aus der Ferne? Heute ging ich ins Dorf, der Großvater wollte Bier und Zigaretten, er ist immer noch sehr schwach und ich hatte ihm aus der Stadt nichts von dem Gewünschten mitbringen können. Wie sehr genoss ich den Spaziergang durch den Wald, sog ihn ein Duft nach Moos, Kiefern und Meer…“ (Daniel konnte nicht anders als es ihr von seinem Platz vor seiner kleinen, gemieteten Kate aus, gleich zu tun) „…Der Empfang im Laden von Frau Kruse, kam mir ein wenig kühler vor als sonst. Theresa, war auch da, sie herzte mich und hakte sich unter und als die alte Hansen nicht aufhören wollte, davon reden, wie glücklich du doch sein müsstest als Ehemann einer so schönen und reichen Frau, zog sie mich aus dem Geschäft. Ach, Liebster, liebte ich Frauen, ich würde deine Schwester vom Fleck weg heiraten. Die gute Seele begleitete mich nach Hause dort gab sie mir deinen Brief, der mich so traurig macht. Ach könnt ich dir doch Mut machen, dich lieben und schützen. Du hast ihr das „Ja“ verweigert, bist geflohen, aber nicht zurück zu mir, sondern hinaus zur See du willst niemand als nur mir gehören, schreibst du, und entschiedest dich für die See deren Unberechenbarkeit du leichter ertragen könntest, als die Gewissheit nie der meine sein zu dürfen. Ich will nicht mehr daran denken. Für mich bist du längst der meine…..

Ab heute werde ich jeden Abend. Das Leuchtfeuer entzünden, immer zu der dir bekannten Zeit. Ich werde es entzünden und an dich denken, hoffend du denkst zur selben Zeit an mich, sodass wir uns treffen. Irgendwo Fern und uns nah dann sind. Ich hier in der Heimat du weit in der Ferne auf einem Schiff. Einem Schiff von dem ich hoffe ,einst bringt es mich doch zu dir, und uns dorthin wo wir geborgen sind. Gemeinsam. Immer. Theresa drängt. Sie muss gehen und will sie dir diesen Brief doch noch heute schicken…..

Ich küsse dich, ich liebe dich, L.“….

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05.05.196……..

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Mein Liebster, ich habe Blumen vor dein Bild gestellt und einen Kuchen gebacken. Ja, ICH, habe ihn gebacken und Luischen nennt ihn köstlich. Sie ist hier, aber ohne Brief von dir, was mich sehr quält, und der Großvater, sie und ich denken deiner. Denn du hast heute Geburtstag. Liebster, ist es für dich ein glücklicher Tag. Wo bist du jetzt auf rauer See oder in einem exotischen Land, das dir so viel Neues bietet, dass du mich vergisst, mich und unseren Turm? Es stimmt mich traurig, so traurig, dass ich seit mehr als drei Wochen nicht von dir hörte. Hören- ach, könnte ich doch wie Theresa, auch mal deine Stimme am Telefon hören. Neulich riefst du sie aus irgendeinem fernen Land an. Sie konnte dich kaum verstehen und dennoch. Könnte ich dir doch nur sagen, wie sehr ich mich nach dir sehne, wie sehr ich dich begehre, immer begehren werde. Heute am Abend, zu unserer Stunde, werde ich eine Stück Kuchen und eine Kerze nehmen ,mich in das Licht unseres Turmes setzen, noch einmal ganz stark an dich denken, den Kuchen „gemeinsam“ mit dir essen. Damit dein neues Lebensjahr gut und liebevoll beginnt. Ich werde mir dein Gesicht vorstellen, mit deinen glänzenden Augen, die mich immer an alten Cognac erinnern, mit deinen weichen hellen Haaren, deinem Lächeln, das alle Sorgen vertreibt. Liebster, trägst du auch immer unseren Turm bei dir? Er schützt dich, glaub es mir, denn er trägt meine Liebe zu dir in sich. Er schützt dich und bringt dich sicher zurück. So wie das Leuchtfeuer unseres Turmes die andern Schiffer. Und so Gott will auch bald dich. Auf ewig, L.“….

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Daniel hielt einen Moment inne, er wusste nicht ob er bewegt oder wegen der doch einwenig kitschigen Wortwahl auch peinlich berührt war. Obwohl.. Hatte sich in der Liebe, hatte n sich die Worte mit denen man Liebe ausdrückt wirklich so geändert seit damals? Können innige Worte der Liebe je wirklich kitschig sein? „Mein Gott“, er musste ein wenig über sich lächeln nun übernimmst du sogar schon ihre Wortwahl…….

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25.05.196……

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„Liebster, immer noch kein Wort von dir. Was ist geschehen?….

Hast du mich vergessen? Dann möchte ich lieber sterben. Geht es dir schlecht, bist du erkrankt? Da möchte ich bei dir sein…..

Theresa kommt nicht mehr sooft, auch sie ist verliebt doch das weißt du sicher. Sie wird sich bald wirklich vermählen und in die Stadt ziehen. Dann sind wir alleine. Der Großvater, unser Turm , meine Liebe zu dir und ich. Liebster, geht es dir gut. So melde dich doch sobald es geht. L.“ ….

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von | Januar 13, 2011 · 2:46 am

Leuchtfeuer (1)

 
Liebesbriefe (1)

 

… eingereicht von Leonie Lucas, 10 Juni 2010

 
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21.03.196……

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„Mein Liebster, dies kleine Abbild „unseres“ Turmes, soll dir sagen, welche Schachzüge das Leben auch für dich bereit hält, wohin die Wogen des Schicksals dich auch tragen- wie ein Leuchtturm den Schiffern den Weg nach Hause weist, so werde auch ich immer da sein für dich, dir ein Licht im Dunkeln sein, dich finden, wenn du noch suchst…“ ….

Daniel legte das vergilbte Stück zurück vor sich auf den Gartentisch. Er betrachtete die Schachfigur, einen der weißen Läufer. Die Figur war detailverliebt im Stil eines Leuchtturms bemalt worden: der abgerundete obere Teil, wirkte haargenau wie die Plattform eines echten Leuchtturmes samt Brüstung, signalroten Dach und der nach allen 4 Himmelsrichtungen leuchtenden Lampen. Daniel musste schmunzeln, die Absenderin, diese Liebeserklärung, war offensichtlich keine Schachspielerin, denn sonst hätte sie doch einen Turm genommen um einen Turm zu symbolisieren. Oder hatte sie ihn gewählt, weil er irgendwie ein Phallussymbol war. Traumverloren strich er über die alte Seemannsjacke in deren tiefen Taschen, er die Figur, mehrere Briefe und eine kleine Zigarrenkiste mit liebevoll gehüteten Erinnerungen, wie Steinen, halb zerbrochenen Muscheln und Ähnlichem, gefunden hatte. Die Jacke selbst hatte er hier in der Walachei wie Johannes es nennen würde, in dem Trödelladen eines alten Mannes gefunden. Eines Seebärens, wie er allen herrschenden Klischees nicht besser entsprechen konnte. Sie hatte ordentlich in eine Kleiderhülle gepackt in einer großen Kiste gelegen, und ihn magisch angezogen. Der Preis war ihm überteuert erschienen, doch jetzt, da er so langsam ein Geheimnis nach dem anderen entdeckte… Nach einem weiterem Schluck Bier las er weiter: „Ich wünsche dir so sehr, dass du in ihren Armen so glücklich wirst wie ich es in den deinen immer war. Noch immer spüre ich deine sanfte Berührung auf meiner Haut, habe seit Tagen keine Feuer mehr gemacht, aus Angst, die Wärme nähme deinen Geruch, der immer noch in der Luft hängt mit fort und ließe mich zurück allein und leer. Heute ist Frühlingsanfang, doch in meiner Seele ist tiefster Winter. Ach, kämst du doch zu mir zurück. Macht sie dich auch glücklich? Ist ihr Vater gut zu dir. Ach, alles, Liebster, wirklich alles möchte ich wissen. Doch mit dem Turm trägst du auch meine ganze Liebe bei dir- und meinen Schutz…..

Ich küsse dich, L“….

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„Noch jemand, der unglücklich liebt.“ Daniel sah hinaus aufs Meer. In der Ferne sah er einen Leuchtturm, weiß mit roter Galerie. Ob das wohl Der Turm von L. und ihrem Geliebten war? ….

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02.04.196……

„Mein Liebster, heute ist er also da, der schwärzeste Tag in meinem Leben. Du hast ihr dein „Ja-Wort gegeben, dass du mir in deinem letzten Brief noch einmal schriebst, du liebtest nur mich macht den Schmerz noch größer, zerreißt das Herz mir umso mehr. Es ist Abend, ich sitze hier im flackernden Licht unseres Turms. Großvater liegt krank im Häuschen nebenan in unserer guten Stube. Auch sein Herz schmerzt, wenn auch aus anderem Grunde. So zünde ich das Leuchtfeuer heute an, schaue in die Richtung wo ich dich vermute und weine. Was machst du jetzt? Tanzt du noch mit ihr, oder liegt sie bebend schon in deinen Armen, machst du sie ganz zu der deinen gerade jetzt? Sicher liegt sie gerne bei dir. Wie kann sie es auch nicht genießen, wie kann sie nicht immer mehr und mehr Liebe und Zärtlichkeit wollen von dir, der mir den Himmel auf Erden gab. Auch wenn es nun die Hölle ist. Und du? Findest du bei ihr was ich dir nicht geben kann? Ich wünsche dir dass sie dich glücklich macht. Ewig. Und wünsch euch beiden zur Hölle. Für immer…..

L.“….

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Fortsetzung folgt …

 

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von | Januar 13, 2011 · 2:44 am