Archiv der Kategorie: Lyrik

Rainer Maria Rilke – Engellieder

 

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  • Rainer Maria Rilke – Engellieder
    gelesen von Hannah Schygulla
  • Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
    und er verarmte in meinen Armen
    und wurde klein, und ich wurde groß:
    und auf einmal war ich das Erbarmen,
    und er eine zitternde Bitte bloß.

    Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, –
    und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
    er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
    und wir haben langsam einander erkannt …

    Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
    kann er frei seine Flügel entfalten
    und die Stille der Sterne durchspalten, –
    denn er muß meine einsame Nacht
    nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
    seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.

 

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Kifthi Graßner – Im Herzen die Sonne der Nacht!

 
Im Herzen die Sonne der Nacht!

 

Die Wahrnehmung ganz schleierhaft

verfehlte meinen Lebenssaft,

Als ich als Kellerkind vom Dienst,

als triste Eule in der Nacht,

Den Körper den ich mal geliebt,

von nun an um den Schlaf gebracht,

Und letztlich Koks wie Kohlenreiter,

mich runter zogen von der Leiter

Und diese ach so warmen Küsse,

der Sonnen gleichen Hochgenüsse,

Die ich als Kind so gern verspürte,

wenn mich ihr Glanz ganz weich berührte

Und schmusend, strahlend, rot und heiß,

am Busen gaben sich mir preis,

So dass geliebt im Lichtermeer,

im auf und ab mein Atem schwer

Und schwerer als die Wellen wogen,

mich wieder in den Abgrund zogen!

 
© 2012 Kifthi Graßner

 
Kifthi Graßner – Outdoor-Autor on green Mile: Im Herzen die Sonne der Nacht!

 

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Zitat am Freitag: Rilke über die Liebe

 
Danke an Jarg via Ulla … dies ist nicht nur ein wunderbarer Morgengruß, sondern auch wahr!

 

So sagen Oskar Negt und Alexander Kluge in ‚Geschichte und Eigensinn‚, S. 930: „Orte, an denen ich glücklich war, heißt: die Gegenstände stehen an Orten, an denen sie durch Personen, durch die ich glücklich wurde, hingestellt wurden. Sie sind angefaßt worden. Die Wege zwischen ihnen waren die Gänge von Personen. Bestimmte Abenddämmerungen, Herbsttage, Zeiten von Tauwetter, erinnern an glückliche Umstände und vor allem an einen Umkreis von Menschen, die vielleicht zu diesem Zeitpunkt gar nicht anwesend waren, zu denen aber eine feste und zuverlässige Beziehung bestand. Marx, Grundrisse, S. 280: „Das Eigentum an der eigenen Arbeit ist vermittelt durch das Eigentum an der Bedingung der Arbeit […] seinerseits garantiert durch das Dasein der Gemeinde […]“ Marx bezweifelt, ob es diesen Zustand ursprünglichen Eigentums je ungestört gegeben hat. In konkreten Wahrnehmungen ausgedrückt, ist weder das Gemeinwesen, noch sind die Urobjekte ausschließlich befriedigende Bezüge. Es hat sich also nicht Befriedigung und konkrete Wahrnehmung in diesem Zusammenhang akkumuliert, sondern das Bedürfnis nach Befriedigung hat sich eine Konstruktion gemacht, unter Auslassung der Unglücksmomente.“

 
Konkret gesagt, Liebe ist ein Diskurs jenseits allein von Begehrlichkeiten, Vorstellungen, Illusionen und wahrscheinlich auch Sprache … Ich empfehle dazu die Novelle von Alexander Klug: Ein Liebesversuch

 

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Berechnung der Abwärme

 

Berechnung der Abwärme

 

Lies: Die Temperatur der Anstrengung
abzüglich der Dauer
wiederholten Begehrens,
aufgeladen mit der Liebe Verlust.

Sieh: Umsonst in die Pappe getreten,
abertausend glühende Nadeln
eingefädelt,
mit dem Tod
immer zu früh vernäht .

Lust: dranzubleiben, das aufzuschreiben, wie
der Trost das Erbarmen
wärmt.

 

Angelika Janz

 

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Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Ich bin es selbst,
rief ich, und sie
versuchten, mir weis-
zumachen ich gehöre
schon längst zu ihnen.

Alles Neinsagen nur
ein Versuch, Jasagen
hieß: sei auf der Hut !
Wunderbar, das artikulierte
Aussprechen der Verbote, wir lachten,
wie jemand du darfst nicht aussprach. Es ist
eine schöne Zeit, wenn das Kleine immer nur
gut ist. Du weißt, jetzt schon entziffert Erinnerung
die Schrift entrückter Nähen, und noch immer bin ich
selbst es, dieses Unverlorene, das mich immer noch ruft.

Das ich rief und jetzt rufe hinein ins Lachen,
Erzählen, wie es war, nach so wenig eigner Geschichte,
ihr, meine Gegenwärtigen, meine liebsten Gestalten der
Trauer. In euch wohnt mein Vergessen, rief ich, wie das
Künstliche vom Natürlichen unterscheiden, riefen sie einzeln, dann
im Chor,
und du, sagen sie, eine Gegenrede, die natürlich wäre, gibt es doch,
gibt es
doch!

 

Angelika Janz

 

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Bruderkußträger!

 
1000 Küsse (22)

 

Bruderkußträger!

 

Die Vernetzung von Schonkräften

Die Bruderkußträger
waren schon immer
die Gelangweilten.
Die Küssenden
dagegen
durch Feindeshand vernetzte
Falschwortmünder
mit trägen Entfernungsgrenzen
zwischen Haut-und Kuß-
geruch.

Wir wollen uns
den Küssern
entgegenlehnen,
ein kleines Geschick
zur Auslotung
geduldversprechender Witze
provozieren!
Als ob einer riefe:
„Versteh!“

Ich, Ihr, wir
lieben Witze,
die mit dem Menschenwort
für den Restausstoß von Verwertbarem
kokettieren und
enden.

Es mit solchen Säften
bewenden lassen,
bei aller Tiefe.

 

Angelika Janz

 

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Sybille Lengauer – In meiner Sphäre

 
In meiner Sphäre

 
Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mein Leben.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich neu.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mein Schicksal.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich frei.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mich menschlich.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich neu.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mich unendlich.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich frei.

 
© Sybille Lengauer (Goldstaub und Ruinen)

 

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Kivi Lake – Verzweifelt

 

 

Verzweifelt. Vielleicht verloren.
Verirrt. Und fast erfroren
ohne Dich.
Verhungert an der Sucht.
Wie Eva. Ohne Frucht.
Ohne Dich.
Ich sag halt mich.
Schlag verbal mich.
Ich fleh‘ fass mich an.
Und Du greifst mich an.
Reist mich ran
und zerreist mich dann.
Um mich zusammen zu setzen.
Zu küssen die Fetzen.

Nichts ist so verzaubernd,
atemberaubend,
als zu sitzen mit Dir
an Deinem Klavier.
Nothing feels so sexy süß,
wie ein Kuss von Dir auf Bein‘ und Füß‘.
Nichts betäubt mehr meine Sucht
als zu lecken dein‘ Duft.

Und nichts macht mich irrer, als Kitsch für Dich zusammenzureimen.

yt

(c)

 

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