Archiv der Kategorie: Angelika Janz

Berechnung der Abwärme

 

Berechnung der Abwärme

 

Lies: Die Temperatur der Anstrengung
abzüglich der Dauer
wiederholten Begehrens,
aufgeladen mit der Liebe Verlust.

Sieh: Umsonst in die Pappe getreten,
abertausend glühende Nadeln
eingefädelt,
mit dem Tod
immer zu früh vernäht .

Lust: dranzubleiben, das aufzuschreiben, wie
der Trost das Erbarmen
wärmt.

 

Angelika Janz

 

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Eingeordnet unter Angelika Janz, Lyrik

Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Ich bin es selbst,
rief ich, und sie
versuchten, mir weis-
zumachen ich gehöre
schon längst zu ihnen.

Alles Neinsagen nur
ein Versuch, Jasagen
hieß: sei auf der Hut !
Wunderbar, das artikulierte
Aussprechen der Verbote, wir lachten,
wie jemand du darfst nicht aussprach. Es ist
eine schöne Zeit, wenn das Kleine immer nur
gut ist. Du weißt, jetzt schon entziffert Erinnerung
die Schrift entrückter Nähen, und noch immer bin ich
selbst es, dieses Unverlorene, das mich immer noch ruft.

Das ich rief und jetzt rufe hinein ins Lachen,
Erzählen, wie es war, nach so wenig eigner Geschichte,
ihr, meine Gegenwärtigen, meine liebsten Gestalten der
Trauer. In euch wohnt mein Vergessen, rief ich, wie das
Künstliche vom Natürlichen unterscheiden, riefen sie einzeln, dann
im Chor,
und du, sagen sie, eine Gegenrede, die natürlich wäre, gibt es doch,
gibt es
doch!

 

Angelika Janz

 

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Bruderkußträger!

 
1000 Küsse (22)

 

Bruderkußträger!

 

Die Vernetzung von Schonkräften

Die Bruderkußträger
waren schon immer
die Gelangweilten.
Die Küssenden
dagegen
durch Feindeshand vernetzte
Falschwortmünder
mit trägen Entfernungsgrenzen
zwischen Haut-und Kuß-
geruch.

Wir wollen uns
den Küssern
entgegenlehnen,
ein kleines Geschick
zur Auslotung
geduldversprechender Witze
provozieren!
Als ob einer riefe:
„Versteh!“

Ich, Ihr, wir
lieben Witze,
die mit dem Menschenwort
für den Restausstoß von Verwertbarem
kokettieren und
enden.

Es mit solchen Säften
bewenden lassen,
bei aller Tiefe.

 

Angelika Janz

 

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Eingeordnet unter 1000 Küsse, Angelika Janz, Lyrik

Arme Monster

 

Arme Monster,

die wandern in winzigen Schritten
schräg an versumpften Ufern entlang,
die riechen nach Einsamkeit,
die schlucken jedes winzige Lächeln,
die finden ihr eigenes Wunder immer zu spät.

Die haben in der Tasche
nur falsches Geld.
Unterwegs sind sie vor Angst graue
Verschwender der Liebe.

Sie haben
das Stichwort „Nichts“ aus der Über-
muttasche freimütig
verschenkt, die wandern
in winzigen schritten schräg an versumpften
ufern entlang, die finden
ihr eigenes wunder immer zu spät.

 

Angelika Janz

 

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