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Rainer Maria Rilke – Engellieder

 

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  • Rainer Maria Rilke – Engellieder
    gelesen von Hannah Schygulla
  • Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
    und er verarmte in meinen Armen
    und wurde klein, und ich wurde groß:
    und auf einmal war ich das Erbarmen,
    und er eine zitternde Bitte bloß.

    Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, –
    und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
    er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
    und wir haben langsam einander erkannt …

    Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
    kann er frei seine Flügel entfalten
    und die Stille der Sterne durchspalten, –
    denn er muß meine einsame Nacht
    nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
    seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.

 

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Eingeordnet unter Lyrik, Rainer Maria Rilke

Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Wie das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden?

 

Ich bin es selbst,
rief ich, und sie
versuchten, mir weis-
zumachen ich gehöre
schon längst zu ihnen.

Alles Neinsagen nur
ein Versuch, Jasagen
hieß: sei auf der Hut !
Wunderbar, das artikulierte
Aussprechen der Verbote, wir lachten,
wie jemand du darfst nicht aussprach. Es ist
eine schöne Zeit, wenn das Kleine immer nur
gut ist. Du weißt, jetzt schon entziffert Erinnerung
die Schrift entrückter Nähen, und noch immer bin ich
selbst es, dieses Unverlorene, das mich immer noch ruft.

Das ich rief und jetzt rufe hinein ins Lachen,
Erzählen, wie es war, nach so wenig eigner Geschichte,
ihr, meine Gegenwärtigen, meine liebsten Gestalten der
Trauer. In euch wohnt mein Vergessen, rief ich, wie das
Künstliche vom Natürlichen unterscheiden, riefen sie einzeln, dann
im Chor,
und du, sagen sie, eine Gegenrede, die natürlich wäre, gibt es doch,
gibt es
doch!

 

Angelika Janz

 

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Bruderkußträger!

 
1000 Küsse (22)

 

Bruderkußträger!

 

Die Vernetzung von Schonkräften

Die Bruderkußträger
waren schon immer
die Gelangweilten.
Die Küssenden
dagegen
durch Feindeshand vernetzte
Falschwortmünder
mit trägen Entfernungsgrenzen
zwischen Haut-und Kuß-
geruch.

Wir wollen uns
den Küssern
entgegenlehnen,
ein kleines Geschick
zur Auslotung
geduldversprechender Witze
provozieren!
Als ob einer riefe:
„Versteh!“

Ich, Ihr, wir
lieben Witze,
die mit dem Menschenwort
für den Restausstoß von Verwertbarem
kokettieren und
enden.

Es mit solchen Säften
bewenden lassen,
bei aller Tiefe.

 

Angelika Janz

 

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Sybille Lengauer – In meiner Sphäre

 
In meiner Sphäre

 
Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mein Leben.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich neu.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mein Schicksal.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich frei.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mich menschlich.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich neu.

Gelegentlich dachte ich
In meiner Sphäre
Träumte ich mich unendlich.

Gelegentlich wachte ich
In meiner Sphäre
Träumte mich frei.

 
© Sybille Lengauer (Goldstaub und Ruinen)

 

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Kivi Lake – Verzweifelt

 

 

Verzweifelt. Vielleicht verloren.
Verirrt. Und fast erfroren
ohne Dich.
Verhungert an der Sucht.
Wie Eva. Ohne Frucht.
Ohne Dich.
Ich sag halt mich.
Schlag verbal mich.
Ich fleh‘ fass mich an.
Und Du greifst mich an.
Reist mich ran
und zerreist mich dann.
Um mich zusammen zu setzen.
Zu küssen die Fetzen.

Nichts ist so verzaubernd,
atemberaubend,
als zu sitzen mit Dir
an Deinem Klavier.
Nothing feels so sexy süß,
wie ein Kuss von Dir auf Bein‘ und Füß‘.
Nichts betäubt mehr meine Sucht
als zu lecken dein‘ Duft.

Und nichts macht mich irrer, als Kitsch für Dich zusammenzureimen.

yt

(c)

 

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Sybille Lengauer – Gibt’s dieses Leben auch mit Aussicht? (Eine Liebeserklärung zu später Stunde))

 

Gibt’s dieses Leben auch mit Aussicht? (Eine Liebeserklärung zu später Stunde))

 

Ich weiß keine Antwort. Bin ratlos im Lustschloss. Ein wenig atmen, dann verweht noch
ein Tag.
Wer hat diesen Hirnstau bestellt?

Ich bin konfus ohne Kompass, kein Schimmer wozu ich noch bin.
Aber wenn ich mir anseh, wie ich mit dir hier im Nichts steh, dann ist das gar nicht mal
schlimm.

Ich hab keine Ahnung. Kein bisschen Planung. Ein wenig trippeln, dann vergeht auch die
Nacht. Macht es Spaß, wenn man sich so lang quält?

Ich weiß keine Antwort. Bin rastlos im Luftschloss. Ist dieses Leben echt „echt“?
Doch wenn ich dich spüre, dich im Fallen berühre, dann ist es so gar nicht mal schlecht.

Ich frage mich lustlos. Im Hals einen Froschkloß. Ein wenig trocknen, dann verdorrt noch
ein Tag.
Wer ist noch im Spiel und wer raus?

Ich weiß keine Antwort. Weiß nicht wer überhaupt zählt. Aber wenn ich dich küsse, dich im
Stillen vermisse, dann gibt es hier nichts das mich quält.

Ich hab keine Ahnung. Heuchle Seelenentrahmung. Ein wenig gießen, dann verrinnt auch die
Nacht. Warum spielt mich kein anderer aus?

Ich frage mich lustlos. Im Hals einen Froschkloß. Hat diese Schinderei Sinn? Doch wenn ich
dich fühle, in deinen Haarwurzeln wühle, dann weiß ich genau dass ich bin.

 
© Sybille Lengauer

 

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Kivi – Was soll’s.

 

 

Und es dreht und dreht
sich
so als wär’s zu spät
und ich
frag im Kummer
was dich bringt so um.

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Selig

 

Selig

I.
Sie sieht mich nicht
Als wäre um mich ein Spiegel
Der mich unsichtbar macht

Sie hat Angst
Mit mir allein zu sein
Zu tief, zu nah, könnten wir uns kommen

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Eingeordnet unter Andi_206, Andi_206 Im Lichte des Nachtläufers, Lyrik